Die Basisübung des Fan Teng Gong

Erläuterungen zur Fan Teng Gong Basis anhand einer Zeichnung aus dem Skript von Lu Xuezhi
Die Basisübung des Fan Teng Gong

‚Sich entspannen und in Ruhe sein Steh-Ding machen‘

‚Song Jing Zhan Lishi‘  松静站立式 oder ‚Song Jing Zhan Zhuang‘ 松静站桩, nennt man die Basisübung des Fan Teng Gong auf chinesisch. Wörtlich übersetzt heißt das:

Song = ‚entspannen; jing = ruhig/still; zhan 站 = stehen; lishi 立式 = aufrecht (stehend); zhuang = Pfahl/Pflock//Ding/Sache/Angelegenheit‘; zhanzhuang 站桩 = aufrecht stehen.

Auf der Bildunterschrift rechts sehen Sie die Version ‚Song Jing Zhan Lishi‘. Es ist die volkstümliche Variante für ‚Song Jing Zhan Zhuang‘. Der Begriff ‚Zhan Zhuang‘ stammt ursprünglich aus den Kampfkünsten und bedeutet ‚aufrecht stehen‘ oder, wenn man so will, ’sein Steh-Ding machen‘.

‚Zhan Lishi‘ und ‚Zhan Zhuang‘ werden in China mit identischer Bedeutung verwendet, für Übungen im Stehen.

Die Übersetzung für die Basisübung des Fan Teng Gong lautet also: ‚Sich entspannen und in Ruhe im Stehen üben‘.

Im Zusammenhang mit dem Zhan Zhuang, dem Stehen in Stille, kommen in Übersetzungen immer wieder Bäume ins Spiel, insbesondere Kiefern. Dies beruht auf der Anziehungskraft von Bäumen und auch darauf, dass das Schriftzeichen für ‚entspannen‘ 鬆 (’song3′) dem für ‚Kiefer‘ 松 (ebenfalls ’song3′) in der vereinfachten chinesischen Schrift angeglichen wurde. Die sogenannten ‚Kurzzeichen‘ waren in den 1950-er Jahren in China eingeführt worden und Personen, die erst in dieser Zeit lesen und schreiben lernten, beherrschen die alten Langzeichen nicht unbedingt, lasen vielleicht auch keine früher gedruckten Bücher zum Qigong. ‚Kiefer‘ und ‚entspannen‘ wurden immer schon gleich ausgesprochen und nun auch noch gleich geschrieben: so kommt es zu diesen phantasiebeflügelten und -anregenden Verwechslungen…

Hier soll es ja aber um die korrekte Ausführung der Basisübung des Fan Teng Gong gehen:

Die Füße stehen schulterbreit parallel, die Fußspitzen sind leicht nach innen gedreht.

Die Unterarme steigen in eine parallele Position zueinander und zum Boden, die Handflächen sind einander zugekehrt.

Gleichzeitig mit dem Steigen der Unterarme beugt man die Knie in einer Bewegung, als würde man sich hinsetzen.

Zum richtigen Stand im Qigong gibt es ebenfalls verschiedene Auffassungen. Wie sich in den Übersetzungen von ‚Song Jing Zhan Zhuang/Zhan Lishi‘ die Bäume breit gemacht haben, wird zur richtigen Standposition vielleicht noch mehr gedacht und gesagt. Auf diese Erklärungen will ich hier nicht weiter eingehen, es ist eine richtige Wissenschaft geworden.

Es ist aber ganz einfach: jeder, der irgendwie noch stehen kann, kann sich auch hinsetzen. Das macht man in der Regel so, wie es die eigenen körperlichen Voraussetzungen ermöglichen, manche etwas krummer, manche etwas gerader. Genau so ’setzt‘ man sich auch ins Zhan Zhuang/Zhan Lishi, jedenfalls ins ‚Song Jing Zhan Zhuang/Zhan Lishi‘ des Fan Teng Gong. Im Nei Jing Gong, ebenfalls einem traditionellen Qigong, nimmt man übrigens die gleiche Haltung ein. Im traditionellen Qigong, also auch im Fan Teng Gong, fangen wir dort an, wo wir sind, so wie wir (geworden) sind. Nach und nach wird das Qi es schon richten.

Nur auf die Knie soll man achten: diese sollten nicht über die Fußspitzen hinaus ragen. Das Gewicht liegt hauptsächlich auf den vorderen Bereichen der Füße: reichen die Knie dann über die Zehen hinaus, dann tragen nicht die Füße, sondern die Knie das Hauptgewicht des Körpers. Das könnte zu Knieproblemen führen.

Der Rumpf ist leicht nach vorne gebeugt, die Wirbelsäule ist in sich so gerade wie es individuell möglich ist – sie ist nicht zwangsläufig senkrecht zum Boden.

Die Knie sollten bei jüngeren Übenden 40° gebeugt sein, bei älteren und kranken reichen 20-30°. Das nun ist schwierig. Es entwickelt sich mit dem regelmäßigen Üben.

‚Als würde man sich hinsetzen‘: jeder kann es. Nur darf man das Becken dabei nicht nach vorne kippen, wie es manchmal für Standpositionen empfohlen wird. Beziehungsweise, man darf es schon, aber man wird dabei schwerlich einen Winkel von 40° (oder gar von 60°, wie es im Nei Jing Gong angestrebt wird) erreichen.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie die Dinge durch die Welt reisen. In China z.B. soll gerade das Hot Yoga sehr in sein; manche Hotels bieten ihren Gästen Ayurveda Massagen zur Wellness an – aber das Qigong wird derzeit dort eher belächelt. Ein Reiseführer kommentierte uns eine riesige Gruppe Taiji-Übender in einem Park in Kunming etwas verlegen mit ‚Oma-Opa-Disco‘.

Ganz ähnlich verhält es sich auch mit den Erläuterungen zur Praxis: ich kann mich noch sehr genau erinnern, wie ich nach meiner ersten Qigong-Ausbildung dann anfangen wollte, selber zu unterrichten. Leider wusste ich nicht so genau, wie ich die erlernten Übungen denn akzeptabel präsentieren könnte. Also schaute ich mich in anderen Flyern um und kopierte das eine oder das andere. – Jedes Qigong hat seine eigenen Regeln, seine eigene Theorie. Das wusste ich damals noch nicht.

Mittlerweile haben die Erläuterungen auf unseren Seiten hier und da Eingang in andere Darstellungen zum Qigong gefunden…

Wenn irgend jemand sagt ’song‘ heißt ‚Kiefer‘, dann sagen es viele nach. Wenn irgend jemand sagt, bei Stehübungen wird das Becken nach vorne gekippt, dann sagen und machen es viele nach. – Auch Chinesen. Chinesen nehmen gerne auf, was aus dem Ausland kommt.

Zurück zur Basisübung des Fan Teng Gong: mehr als oben kann an dieser Stelle nicht beschrieben werden, denn sonst kommen vielleicht manche Leser auf die Idee, ernsthaft nach dieser Anleitung üben zu wollen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Doch damit käme man nicht weit. Das weiß ich inzwischen auch aus eigener Erfahrung.

Am Anfang erscheint das Fan Teng Gong schwierig, das Üben ist schmerzhaft. Unter der Anleitung eines guten Lehrers wird es leicht und erfrischend. – Auch in der genannten starken Beugung der Beine. Auf diese arbeiten wir nicht hin, um uns zu martern, sondern um die bestmöglichen Ergebnisse aus diesen wunderbaren Übungen zu erhalten.

Diese basieren auf der Basis. Die Basis eines Qigong ist wie das Fundament eines Hauses: wenn sie gut und stabil angelegt ist, kann man ein großes Haus darauf bauen. Wenn die Basisübung eines Qigong gut praktiziert wurde, kann man in diesem Qigong – und in darauf aufbauenden Übungen! – gute Ergebnisse haben.

Wenn man ein gutes Fundament für sein Haus legen will, muss man einen guten Baumeister haben.

Ebenso wichtig wie eine gute Basis ist ein guter Abschluss der Übungen: wenn man richtig übt, zirkulieren Blut und Qi schneller im Körper als normalerweise. Man kann nicht immer 180 fahren, man muss auch mal anhalten. Und ebenso wenig wie man bei 180 aus dem fahrenden Auto steigt, ebenso wie ein langsames Abbremsen der Vollbremsung vorzuziehen ist, ebenso wichtig ist der richtige Abschluss. Diesen finden Sie hier in Bildern und mit Erläuterungen.

Die obige Zeichnung stammt aus einem chinesischen Skript zum Fan Teng Gong. Weitere Seiten aus diesem Skript, versehen mit Erläuterungen, finden Sie unter http://www.qigong-daoyuan.net/ftg_dokuG.html und den damit verbundenen Seiten.

Bitte beachten Sie, dass man traditionelle Übungen des Nei Gong – und darum handelt es sich beim Fan Teng Gong – nach Auffassung der Dao Yuan Schule nicht aus Büchern, Videos oder von Webseiten usw. erlernen sollte. Wir denken: man braucht einen Lehrer. Die Darstellung von Übungen auf diesen Seiten ist vor allem als Erinnerungsstütze für Schüler der Dao Yuan Schule und als Anschauungsmaterial für Personen gedacht, die bereits im Stehen praktizieren.

Schwangere ab dem dritten Monat und Personen mit Herzschrittmacher oder in der Rekonvaleszenzeit nach größeren Operationen dürfen Qigong-Übungen im Stehen nicht praktizieren. Personen unter dem Einfluss von Rauschmitteln dürfen nicht, Personen, die unter Psychosen leiden, können in ruhigen Phasen üben. Die Dao Yuan Schule weist jegliche Verantwortung für eventuell auftretende Probleme zurück, wenn dieser Hinweis nicht beachtet wird. Bitte fragen Sie nach, wenn Sie sich unsicher sind!

Allgemeine Annmerkungen zum Fan Teng Gong finden Sie hier.